Zusammenfassung
von Simon Stephens, nach Anton Tschechows „Onkel Wanja“, Deutsch von Barbara,?
Ein Landhaus irgendwo im Nirgendwo. Unerfüllte Liebe, verpasste Chancen, der leise Schmerz des Lebens und mittendrin: Vanya.
Anton Tschechows Meisterwerk über das menschliche Sehnen und Scheitern bekommt in dieser Inszenierung eine ganz neue Dimension. Valentino Karl schlüpft in alle Rollen des Klassikers – Vanya, Sonja, Jelena, Alexander, Michael und mehr und verwandelt das Stück in ein faszinierendes Kammerspiel über Identität, Einsamkeit und die vielen Stimmen in uns selbst.
Mit präzisem Spiel und einer berührenden Intensität entsteht ein Abend, der lange nachhallt: humorvoll, melancholisch, zutiefst menschlich.
Regie: Johanna Haas
Johanna Haas (Regie) über das Stück:
„Anton Tschechows Werke, auch das unserem VANYA zugrunde liegende „Onkel Wanja“, sind geprägt von Melancholie, Schwere und der Frage, wie ein „sinnvoll“ gelebtes Leben aussieht.
In seinen Stücken stehen dabei jedoch meist nicht die Handlung sondern die Menschen und deren Psyche im Mittelpunkt. Bedeutet: Im Außen passiert nicht viel, dafür im Inneren der Figuren umso mehr.
Und genau da setzen wir mit VANYA an: Die tiefgründige Frage eines sinnerfüllten Lebens mit sehr menschlichen Charakteren zu erzählen. Charaktere, wie wir sie vielleicht aus unserem Umfeld kennen, oder deren Züge wir auch in uns selbst finden können. Charaktere, die alle ihre Ängste, Sehnsüchte, Träume und eigene Vorstellungen von Glück oder einem sinnvollen Leben haben.
Wir entschieden uns für unsere Inszenierung allerdings dagegen, zu tief in die Melancholie, Dramatik und Schwere einzusteigen. So sind wir Menschen im „echten Leben“, im Miteinander doch unglaublich gut darin, unsere wahren Empfindungen und Träume klein zu reden, weg zu lachen oder ganz unter der Oberfläche verschwinden zu lassen.
Diesen alltäglichen Tanz wollten wir in VANYA sowohl unterhaltsam als auch berührend gestalten.
Der bunte „Wildblumenstrauß“ an Menschlichkeit spiegelt sich nicht nur im Valentino Karls virtuosen Spiel von der 8 Figuren sondern auch im Kostüm wider.
Kleidung, die „aus der Mode“ gekommen jedoch auch recht exzentrisch ist. So bezeichnet Ivans Mutter ihn als „leuchtende Individualität“. Das Kostüm steht hier im Kontrast zum Bühnenbild. Die Wände und Möbel aus Pappe sollen das entbehrungsreiche und eintönige Leben auf dem Kartoffelhof unterstreichen und ein Gefühl der Trostlosigkeit erzeugen. Klar davon abgegrenzt ist der bunte, an eine Pop-up-Karte angelehnte Zaubergarten, in dem die Figuren ehrlich miteinander sprechen, Gefühle zeigen und träumen können.
VANYA: Eine emotionale Achterbahnfahrt, wie das Leben selbst. Dieser Theaterabend soll ebendies sein: lebendig! Fröhlich, leicht, absurd und verrückt, jedoch darf und soll er auch berühren, traurig machen und vielleicht sogar zur Frage anregen:
Welche Träume und Wünsche habe/hatte ich eigentlich? Wie will ich mein Leben leben?“